Spieglein, Spieglein an der Wand,
wer ist die Schönste (Dünnste) im ganzen Land?
Artikel für kritische Schülerzeitung - April 2004

Anna, (15 Jahre) meldet sich mit leiser Stimme am Telefon der Essstörungshotline.
Sie erzählt der Beraterin, dass sie verzweifelt ist, denn sie ist mit ihren (?) kg die Dickste in der Klasse.
Sie möchte wissen wie sie sich rasch auf (?) kg herunterhungern kann.
Selbst wenn sie daran sterben würde, wäre es Anna egal, sie möchte nur für 1 Jahr (?) kg wiegen, denn, dann glaubt sie, wäre sie schön und glücklich.

Ein junger Mann sucht Hilfe bei der Essstörungshotline für seine Freundin.
Sie leidet an Magersucht und ist schon so untergewichtig, dass er um ihr Leben bangen muss.
Sie haben schon fast 2 Jahre keinen Sex mehr miteinander, denn seine Freundin möchte von ihm nicht berührt werden (trifft für die meisten Menschen die an Magersucht leiden zu).
Er erzählt, dass er einmal, als er sie am Becken berührte, zutiefst erschrak, denn es spürte sich an, als ob er ein Skelett berührt hätte.
Er weint als er von den vielen gescheiterten Versuchen, sie von ihrem Schlankheitswahn wegzubringen, berichtet. Er sagt, dass er fast kein eigenes Leben mehr hat, nur mehr ein auf die Essstörung seiner Freundin ausgerichtetes, freudloses Dasein, voller Sorge.

Zwei 4-jährige Mädchen unterhalten sich im Kindergarten miteinander über ihre Betreuerinnen, da sagt die eine 4-jährige zur anderen: "Die Tante Susi gefällt mir besser, weil die einen dünneren Popo hat".

Bei der Essstörungshotline - 0800 20 22 20 - rufen täglich Menschen an, die einen Ausweg für sich oder für ihre Angehörigen aus dieser gefährlichen Krankheit suchen.

In Österreich leiden ca. 200 000 Menschen an einer Essstörung. 95% der Betroffenen sind weiblich.

Warum so viele Frauen?

Die Werbung und die Mode ist auf superschlanke Models ausgerichtet. Frauen wird vermittelt, dass man dünn sein muss, um erfolgreich, begehrt, anerkannt und beliebt zu sein.
Galt noch in den 60er Jahren die Schauspielerin Sofia Loren mit einer Kleidergröße von 42, als eine der attraktivsten, erotischsten und schönsten Frauen der Welt, so hat sich dieses Idealbild in den letzten 40-50 Jahren gewaltig verändert.
Die Superfrau von heute darf höchstens in eine Kleidergröße 36, oder noch besser, 34 passen. Seit Kurzem ist auch Kleidergröße 32 (für erwachsene Frauen!!!) auf dem Markt erhältlich!

Bei Männern geht die Tendenz eher zu einem gestylten Muskelkörper ohne Fett, makellos, glatt - unbehaart.

Wie kommt es zu einer Essstörung?

Allgemein kann man sagen, dass Menschen die an einer Essstörung leiden, immer über ein negatives Körpergefühl verfügen und unter einem niedrigen Selbstwert leiden.

Magersucht ist eine schwere psychische Erkrankung, die häufig in der Pubertät beginnt. Meist ist es ein Hilferuf, dass die Betroffenen glauben, das Leben nicht in den Griff zu bekommen.
Für Betroffene hat Leistung und Kontrolle einen sehr hohen Stellenwert.

Menschen die an Bulimie leiden, sagen oft, dass sie das Leben zum Kotzen finden.
Für die Betroffenen ist das Essen und Erbrechen eine Frustrationsabfuhr, ein Ventil für Ärger und Wut, ein Mittel gegen Langeweile und Einsamkeit.
Das Fatale daran ist, dass genau diese Krankheit sie in die Isolation und Einsamkeit führt.

Ca. 15% - 20% der Betroffenen sterben an Magersucht und Bulimie.

Für Menschen die an Esssucht leiden ist Essen oft der einzige Trost und die einzige Freude. Sie hoffen durch übermäßiges Essen mit ihrer Wut, Enttäuschung, Trauer oder Einsamkeit fertig zu werden. Essen soll das emotionale Loch füllen.

Alle Essstörungen haben schwere körperliche und seelische Folgen!

Kann man einer Essstörung vorbeugen?

Der beste Schutz vor Essstörungen ist ein gesunder Selbstwert und Selbstvertrauen, das heißt vor allem Selbstakzeptanz.

Wie kann man einem Menschen mit einer Essstörung helfen?

Am geeignetsten ist ein offener Umgang mit der/dem Betroffenen, indem Sie ihr/ihm mitteilen, welche Veränderung Sie an ihr/ihm wahrnehmen. Versuchen Sie in einfühlsamen Gesprächen das Problem zu verstehen und bieten Sie praktische Hilfe an, z. B.: Essstörungshotline 0800 20 11 20 (kostenlos und anonym). Begleiten Sie die/den Betroffene/n in eine Beratungsstelle.
Die seelische Krise muss entschlüsselt werden, auch wenn diese von den Betroffenen anfänglich geleugnet wird. Je früher die/der Betroffene in Behandlung kommt, um so größer sind die Heilungschancen.

Mit Hilfe von Psychotherapie können Essstörungen geheilt werden.

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